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Radiointerview Rai Südtirol - Südtiroler Ernährungsrat

Am Montag den 4. März 2019 um 8:15 Uhr waren der Sprecher und die Sprecherin des Südtiroler Ernährungsrates Christian Fischer und Silke Raffeiner bei Gudrun Prenn im Frühstücksradio von Rai Südtirol. Der Südtiroler Ernährungsrat und seine Aufgaben wurden vorgestellt. >> Hier geht es zum Radiointerview

Mitschrift Radiointerview 4. März Rai Südtirol 

Gudrun Prenn: Seit Oktober 2017 gibt es ihn offiziell: den Südtiroler Ernährungsrat. Klingt sehr offiziell und beratend, ob er das ist und ob er sich so sehen will, darüber sprechen wir jetzt mit den zwei Sprechern des Rates Christian Fischer und Silke Raffeiner. Guten Morgen Frau Silke Raffeiner von der Südtiroler Verbraucherzentrale. Ihnen liegt das Thema Ernährung am Herzen. Platz genommen hat auch Christian Fischer, Universitätsprofessor an der Uni Bozen im Bereich Landwirtschaft und Ernährung.

Ist es denn so schlimm um unsere Essgewohnheiten und unser Konsumverhalten bestellt, dass wir einen offiziellen Rat brauchen, der sich um unsere Ernährung kümmert, Frau Raffeiner?

Silke Raffeiner: In Südtirol ist diese Situation nicht wirklich schlimm, aber wir sehen in einigen Bereichen durchaus Verbesserungspotential. Als Ernährungsrat möchten wir dazu beitragen, das Ernährungssystem zukunftsfähig zu gestalten und das heißt für uns auch sozial gerechter und ökologisch nachhaltiger. Zum Zweiten möchten wir dazu beitragen, globale Probleme auf lokaler Ebene zu lösen bzw. dafür zu sensibilisieren.

Gudrun Prenn: Was wäre denn ein konkretes Beispiel dafür?

Silke Raffeiner: Der Klimawandel ist ein globales Problem. Jeder Mensch isst mindestens 3 Mal täglich, daher haben wir hier sehr viele Möglichkeiten, die Ernährung klimafreundlicher zu gestalten, beispielsweise durch eine Reduktion des Fleischkonsums.

Gudrun Prenn: Wer sitzt in diesem Rat und warum?

Silke Raffeiner: Der Ernährungsrat setzt sich zurzeit aus 16 Personen aus den verschiedensten Bereichen zusammen. Sie bringen daher auch unterschiedliche Erfahrungen und unterschiedliche Kompetenzen mit. Ein ganz wichtiger Grundsatz eines Ernährungsrates ist es, dass dieser interdisziplinär aus allen Bereichen zusammengesetzt ist, die entlang dieses Ernährungssystems eine Rolle spielen. Konkret sind bei uns Menschen vertreten, die aus dem Bereich Bildung, Forschung und Lehre kommen, Menschen aus der Landwirtschaft, Menschen aus dem Handel, speziell aus dem fairen Handel, und die sich mit der Nord-Süd-Problematik befassen, und dann natürlich Menschen aus dem Bereich Ernährungsbildung und -beratung, Menschen aus dem Kommunikationsbereich, die also hier auch ihre professionelle Expertise in Sachen Öffentlichkeitsarbeit einbringen können, und außerdem haben wir noch einen Vertreter aus der Gastronomie, Menschen, die sich mit Gartenbau bzw. Sortenvielfalt auskennen und Menschen aus dem Bereich Innovationsförderung. 

Gudrun Prenn: Jetzt gibt es den Südtiroler Ernährungsrat seit Oktober 2017. Was wurde denn bis jetzt getan, Herr Professor Fischer. 

Christian Fischer: Man muss zunächst erst einmal den Hintergrund sehen. Es handelt sich um eine internationale Bewegung, die ursprünglich in Nordamerika gestartet ist und sich nun in alle Kontinente und Länder ausgedehnt hat. Grad im deutschsprachigen Raum gibt es seit Jahren immer mehr Städte, die dort mitmachen. In Südtirol hat sich das Ganze aus der MahlZeit Kampagne entwickelt. Daraus kam dann die Idee, dass man so einen Ernährungsrat hier lokal gründen möchte, und da wir im Moment alle recht lose organisiert sind und es wirklich viele Vertreter aus verschiedenen Bereichen sind, muss sich die ganze Bewegung auch erst einmal finden. Wir mussten herausfinden, wie wir uns organisieren, welche Struktur wir annehmen, was wir genau machen wollen. Das Problem der Finanzierung zum Beispiel haben wir noch gar nicht gelöst und deshalb hat es einfach seine Zeit gedauert, bis man sich formiert hat und bis die ersten Aktivitäten los gehen können.

Gudrun Prenn: Und die ersten Aktivitäten werden dann wahrscheinlich bald losgehen. Was konkret passiert dann jetzt? Was sind die ersten Dinge, wo wir vom Ernährungsrat hören werden? 

Christian Fischer: Wir wollten erst einmal Anfang April uns ganz offiziell der Öffentlichkeit vorstellen. Dann haben wir für dieses Jahr Aktivitäten wie verschiedene Veranstaltungen geplant, wobei eine Veranstaltung im Dunstkreis des Ernährungsrates schon diesen Freitag zur Gemeinschaftsverpflegung stattgefunden hat. Dann haben wir eine Aktion geplant, um die Ernährung etwas klimafreundlicher zu gestalten, Hülsenfrüchte in der lokalen Ernährung zu promoten und die Leute davon zu überzeugen, weniger Fleisch und mehr pflanzliche Eiweiße zu konsumieren. Die größte Aktion für dieses Jahr wird die Verleihung des ersten Südtiroler Ernährungspreises sein, wo sich der Rat dieses Jahr wahrscheinlich im Bereich der Gemeinschaftsernährung verschiedene Organisationen anschaut, die vorbildlich arbeiten, und Ende des Jahres einen Preis vergibt.

Gudrun Prenn: Also, das heißt, dieser Ernährungsrat soll wirklich ein Ratgeber für die Bevölkerung sein? 

Christian Fischer: Die englische Bezeichnung ist Food Policy Council, da geht es eigentlich um Ernährungspolitik und diese ist ein sehr multidisziplinärer Bereich, nicht nur Landwirtschaft, sondern es sind wirklich alle Akteure in der ganzen Ernährungskette mit vertreten und normalerweise ist das in der Politik nicht so richtig vorgesehen. Deshalb haben sich diese Räte in verschiedenen Gegenden und Städten gebildet, um hier Einfluss zu nehmen. Es wäre auch für den Ernährungsrat Südtirol mittelfristig das Ziel, dass man im Politikdialog seine Relevanz findet und bei der Ausgestaltung von politischen Entscheidungen und Umsetzungen wirklich aktiv mitwirken kann.

Gudrun Prenn: Gibt es da schon Beziehungen, die geknüpft worden sind?

Christian Fischer: Nein, da sind wir noch am Anfang und hoffen, dass sich das im Laufe der Aktivitäten des Ernährungsrates ergibt.

Gudrun Prenn: Alle, die sich interessieren für die Aufgaben und Inhalte des Ernährungsrates, finden das im Internet?

Silke Raffeiner: Ja, wir haben seit Kurzem eine Internetseite. Sie ist erreichbar unter www.ernaehrungsrat.it, wobei Ernährung mit „ae“ geschrieben wird.

Gudrun Prenn: Dann wünschen wir viel Erfolg und einen guten Start in die Öffentlichkeit mit dem Südtiroler Ernährungsrat. Hier bei mir zu Gast waren Silke Raffeiner von der Verbraucherzentrale Südtirol und Christian Fischer von der Universität Bozen. Vielen Dank.