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MahlZeit Broschüre brochure Artikel articolo 7

Die Lösung liegt auf... dem Teller

Die Verringerung des Fleischkonsums bringt Vorteile für Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft

von Silke Raffeiner

 

Die fleischbetonte Ernährung in den industrialisierten Ländern verursacht gravierende Probleme auf mehreren Ebenen. Falls es also gelänge, den Fleischanteil der westlichen Kost zugunsten eines höheren Anteils an pflanzlichen Lebensmitteln zu reduzieren, könnten gleich „mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen“ werden.

Mehr Fläche für die menschliche Ernährung

Die Verringerung des Fleischkonsums auf eine gesundheitlich verträgliche Menge (siehe Fußnote 1) würde dazu führen, dass ein Teil der Flächen, die derzeit für die Erzeugung von Futtermitteln genutzt werden, in Zukunft direkt und ohne den Umweg der „Veredelung“ für die menschliche Ernährung genutzt werden könnten. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung wäre dies ein ganz wesentlicher Schritt, um in Zukunft mehr Ernährungssicherheit und mehr Ernährungssouveränität zu erreichen.
Für die Produktion von Futtermitteln werden nämlich große Flächen in den Ländern des Südens beansprucht. Deutschland beispielsweise nutzt im Inland 14 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche zur Produktion von Lebens- und Futtermitteln. Zusätzlich werden über 5,5 Millionen Hektar Fläche außerhalb von Deutschland für die Erzeugung von Lebens- und Futtermitteln „besetzt“ (siehe Fußnote 2). Die EU-Länder insgesamt beanspruchen noch einmal 40% der eigenen Flächenressourcen von außerhalb – unter anderem Flächen in Brasilien für den Anbau von Soja. Dieses Soja landet dann in Europa in den Mägen der Schweine und Hühner, und diese wiederum landen im besten Fall auf unseren Tellern, im schlechtesten Fall aber in Afrika, wo sie zu (exportsubventionierten) Dumpingpreisen angeboten werden und die lokale Produktion ruinieren.

Fußnoten
1: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, pro Woche nicht mehr als 300 bis 600 g Fleisch und Wurstwaren zu essen. Rein rechnerisch entspricht das einem durchschnittlichen Verzehr von 43 bis 86 g Fleisch und Wurstwaren pro Tag. Tatsächlich liegt der Fleischverzehr in den industrialisierten Ländern zum Teil mehr als doppelt so hoch, als es die Ernährungsgesellschaften für sinnvoll und ernährungsphysiologisch notwendig erachten. Zwei bis drei kleine Portionen Fleisch und Wurst pro Woche sind im Rahmen einer Mischkost ausreichend, und dank der eingesparten Portionen wird qualitativ hochwertiges Fleisch aus artgerechter Tierhaltung leistbar.
2: WWF Deutschland (Hrsg.): Das große Fressen – Wie unsere Ernährungsgewohnheiten den Planeten gefährden, März 2015

Less meat = less heat

Die Verringerung des Fleischkonsums auf eine gesundheitlich verträgliche Menge würde dazu führen, dass in Zukunft weniger Regenwald gerodet wird, um an seiner Stelle Plantagen für den Anbau von Futtermitteln oder Weideflächen einzurichten. Für den globalen Klimaschutz wäre das von großer Bedeutung. Denn die Erzeugung von tierischen Lebensmitteln (u. a. Fleisch) verursacht zum Einen aufgrund der Veredelungsverluste, zum Anderen indirekt durch die Rodung von Regenwald die Bildung großer Mengen an Treibhausgasen. Um Sojafelder anzulegen, wurden in Brasilien mindestens 21 Millionen Hektar Wald, in Argentinien 14 Millionen Hektar und in Paraguay und Bolivien je zwei Millionen Hektar abgeholzt (siehe Fußnote 3). Die Zerstörung des Regenwaldes verstärkt den Klimawandel und bedroht die indigenen Völker sowie die Artenvielfalt. Als Veredelungsverluste werden die wenig effizienten Umwandlungsraten von pflanzlichen in tierische Kalorien (bis zu 7 : 1). Für die Erzeugung von einem Kilogramm Fleisch wird ein Vielfaches an pflanzlichen Futtermitteln benötigt. Folglich werden bei der Erzeugung von einem Kilogramm Rindfleisch 6,4 kg CO2-Äquivalente freigesetzt, bei der Erzeugung von einem Kilogramm Kartoffeln aber nur 0,2 kg (siehe Fußnote 4). Insgesamt entfällt in den europäischen Ländern rund ein Fünftel der gesamten Treibhausgasemissionen (Kohlendioxid, Methan, Lachgas usw.) auf den Bereich Ernährung. Eine Ernährung, die überwiegend aus pflanzlichen Lebensmitteln besteht und in der Fleisch eine “Nebenrolle” spielt, ist klimafreundlicher als eine fleischreiche Ernährung, wie auch Paul McCartney erkannt hat (siehe Fußnote 5).

Fußnoten
3: Lambert, T.: Futter statt Land, http://land-grabbing.de/triebkraefte/futtermittel/fallbeispiel-sojaproduktion-in-lateinamerika, ein Projekt des FDCL – Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V.
4: Koerber K. v., Kretschmer J., Schlatzer M.: Ernährung und Klimaschutz – Wichtige Ansatzpunkte für verantwortungsbewusstes Handeln, aid-ernährung im fokus 7 (5), 130-137, 2007
5: Pressemitteilung des Europäischen Parlaments vom 03.12.2009: Global warming: less meat = less heat

Weniger Landraub

Die Verringerung des Fleischkonsums auf eine gesundheitlich verträgliche Menge würde vermutlich auch dazu beitragen, dass in den Ländern des Südens weniger Familien und Dorfgemeinschaften gewaltsam von ihrem angestammten Stück Land vertrieben werden, weil Investoren dort gewinnbringende Plantagen errichten wollen. Schätzungen zufolge geht die Anzahl der Menschen, die in Brasilien für den Sojaanbau von ihrem Land vertrieben wurden, in die Millionen (siehe Fußnote 6). Ihre Lebensgrundlage beraubt, migriert die ländliche und indigene Bevölkerung in die Städte, meistens in Armenviertel.

Fußnote 6: Lambert, T.: Futter statt Land, http://land-grabbing.de/triebkraefte/futtermittel/fallbeispiel-sojaproduktion-in-lateinamerika, ein Projekt des: FDCL – Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V.

Ein Plus für die Gesundheit

Die Verringerung des Fleischkonsums auf eine gesundheitlich verträgliche Menge würde nicht zuletzt in den Industrieländern zu einer Verringerung der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vermutlich auch zu einer Verringerung bestimmter Krebserkrankungen führen. Personen, die weniger oft Fleisch essen, essen in der Regel mehr Gemüse, mehr Getreideprodukte und Kartoffeln und idealerweise auch mehr Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen. Der Körper wird dadurch mit Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und gesundheitsfördernden sekundären Pflanzenstoffen versorgt.

Silke Raffeiner

 

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