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MahlZeit Broschüre brochure Artikel articolo 5

Sichere Nahversorgung ist nicht nur im Katastrophenfall wichtig

Was Trinkwasser in Thailand mit der Milchversorgung in Europa zu tun hat

von Sophie Baumgartner

 

2011 wurde Thailand Opfer einer Katastrophe. Unkontrollierbare Wassermassen bahnten sich ihren Weg in Städte, Häuser, Zimmer. Besonders stark getroffen hat es unter anderen drei Regionen nördlich von Bangkok, Ayutthaya, Pathum Thani und Nonthaburi, die zusammen eine Fläche von etwa 4.700 km2 haben. Thailand hingegen hat über 301.300 km2, aber dazu später mehr.

Eines der größten Probleme bei Überschwemmungen ist die Versorgung mit trinkbarem Wasser und Nahrung. 2011 war diese Versorgung besonders schwer, und nicht nur in den überschwemmten Gebieten Thailands. Wo würden Sie unter normalen Umständen hingehen, um eine Wasserflasche zu kaufen? Nun stellen Sie sich vor, zahlreiche Gebiete in ihrem Heimatland wurden überschwemmt, und auch für die Region oder Stadt, in der Sie leben, wurden bereits Warnungen ausgegeben. Natürlich würden Sie mit vielen Wasserflaschen vorsorgen, oder? Wie auch jeder andere. Das Problem in Thailand war nun ein Doppeltes: Erstens, die Nachfrage war gestiegen. Zweitens, das Angebot war enorm gesunken. Und hier kommen die oben erwähnten drei Regionen wieder ins Spiel.

Normalerweise wurden Trinkwasser, Lebensmittel und zahlreiche weitere Konsumgüter in Thailand an große Ketten wie 7-11, Tesco Lotus oder Carrefour geliefert und in eine der drei Regionen Ayutthaya, Pathum Thani oder Nonthaburi transportiert, um von dort weiterverkauft und in ganz Thailand verteilt zu werden. Nun waren aber diese drei Regionen besonders stark betroffen, und ein Großteil der Versorgung war lahmgelegt – genau die größten Ketten konnten genau das Nötigste nicht mehr liefern. Sie werden sich nun fragen, warum die Bevölkerung diese Produktionskette nicht einfach links liegen ließ und Produzenten die Produkte in ihrer Umgebung verkauften. Und ich gebe Ihnen Recht; das wäre in der Tat sehr sinnvoll. Allerdings stammte etwa der Hauptanteil des in Thailand verkauften Trinkwassers aus Pathum Thani, und das war ja ausgefallen. Natürlich gibt es auch andere Orte mit Trinkwasser, doch um das Wasser auch abfüllen, transportieren und verkaufen zu können, braucht es Wasserflaschen. Und diese Wasserflaschen wurden ebenfalls in Pathum Thani verkauft, also wiederum ein Ausfall.

Sie sehen also: Ein Problem, das 4.700 km2 betrifft, kann unter Umständen in weiteren 296.600 km2, auch, wenn nicht alle davon direkt betroffen sind, ein noch viel größeres Problem schaffen, wie in diesem Fall die Trinkwasserversorgung.

In Europa geht es uns ziemlich gut. Krisensituationen wie in Thailand sind äußerst selten; es ist an vielen Orten unwahrscheinlich, von Überschwemmungen, Wirbelstürmen oder gar Tsunamis getroffen zu werden. Also warum das Ganze? Wir können uns doch relativ sicher fühlen, also sollen die Thailänder ihre Probleme selbst lösen und uns damit in Ruhe lassen, oder? So einfach geht es dann doch wieder nicht. Ein großer Anteil der in Europa verbrauchten Milch etwa kommt aus Holland und Belgien. Würde dort etwas geschehen, hätte ganz Europa ein Milchproblem. Aber auch Holland und Belgien sind eigentlich nur Verarbeiter anderer Produkte; Kühe müssen zum Beispiel gefüttert werden. Das geschieht meist mit einem Gemisch aus Mais und Soja – Soja, das aus Brasilien stammt. Das Risiko steigt; Brasilien oder der Transport von Brasilien nach Holland/Belgien könnten betroffen sein. Und so verhält es sich mit zahlreichen ähnlichen Produkten, was zur Folge hat, dass unsere gesamte Versorgung mit allen möglichen Konsumgütern auf sehr wackligen Füßen steht. Meist ist das kein Problem – ich denke, die meisten schaffen es, ein paar Wochen ohne, sagen wir, getrocknete Mangos zu überleben – aber es kann auch, wie in Thailand, um Trinkwasser gehen, was ein wenig schwerer zu verschmerzen ist. Meist ist die Situation dann nicht so schlimm, dass ein Produkt gleich ausfällt, aber es kann besonders in Ländern, die sehr importabhängig sind, zumindest zu großen Preisschwankungen kommen.

Was vielen Menschen in Thailand geholfen hat, waren die wenigen lokalen Produzenten, die noch übrig waren. Es gab es zum Glück noch ausreichend unabhängige Geschäfte und Frischmärkte. Jene hatten keine so lange Produktionskette, die vom Unglück in Ayutthaya, Pathum Thani und Nonthaburi unterbrochen wurde. Auch wir sollten mehr auf einen Transportweg mit weniger Zwischenschritten setzen. Das heißt nicht, wir sollten alle der zivilisierten Welt abschwören und unsere Kaffeemaschinen selbst bauen – es gibt viele Möglichkeiten. Eine davon wäre, das Gemüse beim lokalen Bauern einzukaufen, eine andere, einen eigenen kleinen Gemüsegarten anzusetzen. Die Produktionskette ist in beiden Fällen viel kürzer bzw. inexistent und somit weniger risikoanfällig, auch etwa für erhöhte Transportkosten: Steigt plötzlich der Benzinpreis, zahlen wir nicht nur mehr für unseren Roadtrip nächste Woche, sondern auch für die Tomaten, die mit Lastwägen aus Süditalien nach Südtirol und auf unseren Tisch gekarrt werden. Eine Umstellung auf lokal produzierte Lebensmittel hätte auch sonst zahlreiche Auswirkungen. Darunter wären auch niedrigere Transportkosten und Kosten von Zwischenhändlern, was die Produkte mit Importprodukten wettbewerbsfähig macht. Dafür könnten hingegen die Bauern mehr für ihre Arbeit verdienen, und auch andere an der Produktion Beteiligte bekämen einen gerechteren Lohn. Mehr Flexibilität wäre gegeben und die Möglichkeit, ein persönliches Verhältnis mit den Herstellern aufzubauen. Ein idealer Zustand wären 25% Selbstständigkeit, aber auch weniger ist ein erster Schritt. Schon ein klein wenig mehr Selbstständigkeit kann das Risiko senken. Das ist, was Ernährungssouveränität bedeutet: Sicherheit, auch in Krisensituationen.

Sophie Baumgartner – Weltladen Bozen

Quelle: www.greennet.or.th/en/article/1136

 

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