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"Solidarität, die fruchtet" Artikel aus der Zebra

Familie Leimer betreibt den Bachguterhof oberhalb von Dorf Tirol. Sie bearbeitet ihn nach den Biolandprinzipien sowie nach dem Konzept der Solidarischen Landwirtschaft. Der  Bachguterhof war dabei der erste und ist bis heute einer der ganz wenigen Höfe in Südtirol, der sich diesem alternativen Landwirtschaftsmodell verschrieben hat. Der Hof bietet eine Vielzahl an biologisch produzierten Produkten an und pflegt dabei eine ganz besondere Beziehung zu seinen Konsument*innen.

Was kann man sich unter dem Konzept der „Solidarischen Landwirtschaft“ eigentlich vorstellen?
Franz Leimer:
Das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft ist ein sehr weites, aber gesamtheitliches Konzept. Es umfasst Hof, Landwirt*in, die Produkte und die Konsument*innen. Bei der Solidarischen Landwirtschaft können viele verschiedene Ansätze verfolgt werden, es gibt viele Modelle. Im Grunde genommen geht es um eine nachhaltige Produktion, die sich auf ökologische, ökonomische und soziale Aspekte bezieht. In unserem Fall wird die landwirtschaftliche Produktion von den Verbraucher*innen unterstützt und mitbestimmt. Das heißt, die Konsument*innen bestellen und bezahlen die gewünschten Produkte im Voraus und garantieren uns dadurch, die landwirtschaftlichen Produkte, die wir herstellen, danach auch abzunehmen. Die Abnehmer*innen finanzieren mit ihren Beiträgen den Anbau und bilden das Einkommen des Bauern. Im Gegenzug erhalten sie wöchentlich frisch geerntete Produkte. Die Landwirt*innen erhalten durch so ein System Planungssicherheit, und die Konsument*innen haben die Sicherheit, regionale und saisonale Waren angeboten zu bekommen.

Seit wann arbeiten Sie nach diesem Konzept?
Am Bachguterhof arbeiten wir seit 1998 biologisch. Angefangen haben wir mit den Äpfeln und den Trauben. Seit 2015 arbeiten wir nach den Prinzipien der Solidarischen Landwirtschaft und bieten eine Fülle von verschiedenen Produkten an.

Was hat Sie zu diesem Umstieg bewegt?
Gemüse bauen wir schon länger an, früher aber war die Imkerei unsere Haupteinnahmequelle. In Südtirol kann man heute allerdings nicht ökonomisch rentabel als Imker arbeiten, da wegen der intensiven Landwirtschaft, und dem damit einhergehenden Einsatz von Pestiziden, zu viele Bienen sterben. Zudem war es früher oft schwieriger, Abnehmer*innen für die angebauten Produkte zu finden. Deshalb sind wir auf die Idee des Umstieges gekommen. Wir können uns nun wieder vermehrt auf die landwirtschaftliche Produktion konzentrieren. Zugleich können wir eine Vielfalt an Produkten auf dem Hof herstellen und müssen uns nicht zu sehr spezialisieren.

Woher kam die Idee zur Solidarischen Landwirtschaft?
In Südtirol gab es leider keine Beispielbetriebe, an denen wir uns hätten orientieren können. Nur wenige Betriebe trauen sich, etwas wirklich Neues zu wagen. Die Idee und die Informationen haben wir uns daher im Internet besorgt. Die pflanzenbauliche Beratung bekamen wir von Bioland selbst, weil wir ja ökologisch arbeiten. Zudem haben wir bemerkt, dass sich bezüglich alternativer Landwirtschaftsmodelle in der Bevölkerung etwas tut. Das Bewusstsein und das Interesse an solchen Systemen wächst. Die Menschen sind informiert und legen einen immer größeren Wert darauf, zu wissen, woher ihre Lebensmittel kommen und wie sie hergestellt werden.

Warum ist so ein System auch in Südtirol zukunftsfähig?
Wenn nach dem Konzept der Solidarischen Landwirtschaft gearbeitet wird, kann das zum Erhalt der kleinstrukturierten Landwirtschaft in unserem Land beitragen. Mit unserer Produktion können wir als kleine Bauern ohnehin nicht auf dem Weltmarkt mithalten. Es sei denn, die einzelnen Betriebe werden vergrößert, schließen sich zusammen. Das würde allerdings auch bedeuten, dass dafür viele kleine Betriebe verschwinden müssten. Man ist mit so einem System, wie dem der Solidarischen Landwirtschaft, also unabhängig von Weltmarkt-Preisen und kann gleichzeitig den Menschen, die die Produkte konsumieren, etwas inzwischen selten gewordenes bieten: einen direkten Bezug zum Produzenten. Das ist auch für Südtirol sehr interessant.

Nach welchen Richtlinien arbeiten Sie auf dem Bachguterhof?
Wir produzieren nach den Richtlinien der biologischen Produktion und den Biolandvorgaben, eine einheitliche Zertifizierung für Solidarische Landwirtschaft gibt es derzeit noch nicht.

Helfen Ihre Konsument*innen am Hof mit?
Einzelne Konsument*innen helfen auch manchmal bei uns am Hof mit, das ist aber gesetzlich ein etwas schwieriges Thema. Aber alle unsere Abnehmer*innen bringen sich aktiv ein, indem sie mitbestimmen, was am Hof angebaut wird, welche Produkte vielleicht in Zukunft interessant sein könnten. Zudem gibt es immer einmal im Jahr ein Treffen mit allen Beteiligten. Dort kommt es dann zu einem intensiven Informationsaustausch, und es bietet sich Raum für Ideen. Außerdem haben die Konsument*innen beim Abholen ihrer Produkte eigentlich immer die Möglichkeit, in direkten Kontakt mit uns vom Hof, also mit dem Produzenten ihrer Lebensmittel, zu treten. Das ist uns ein großes Anliegen.

Wie funktioniert das System des Bezahlens im Voraus genau?
Es gibt eigentlich keine genauen Vorgaben. Einige unserer Konsument*innen überweisen einen Monat im Voraus, andere zwei Monate. Es gibt auch welche, die für ein ganzes Jahr schon das Geld vorstrecken. Wir bieten ja auch das ganze Jahr über Produkte an. Es hängt ganz von den Bedürfnissen der Konsument*innen selbst ab.

Wie gelangen die Produkte an den Kunden?
Die Konsument*innen holen sich im Schnitt einmal wöchentlich ihre Produkte selbst bei uns am Hof ab. Es gibt auch Abholgemeinschaften, die das Abholen dann gesammelt erledigen.

Wie vertreiben Sie sonst Ihre Produkte?
Das Hotel „Schwarzer Adler“ unterstützt uns und verwendet unsere Produkte. Zudem betreiben wir einen Ab-Hof-Verkauf und beliefern auch regelmäßig ein bis zwei Geschäfte. Vieles ist aber noch im Aufbau.

Was macht man als Konsument*in, wenn man Ihr am Hof geführtes Konzept unterstützen möchte?
Man kann sich bei uns am Hof melden oder sich auf unserer Internetseite informieren.

Was erwarten Sie sich von der Südtiroler Landwirtschaft? Wie sollte sie sich weiterentwickeln?
Ich glaube, die Südtiroler Landwirtschaft muss sich massiv in eine ökologischere Richtung entwickeln. Momentan versucht man noch, Probleme dadurch zu lösen, chemische Pflanzenschutzmittel durch andere oder neuere zu ersetzen. Im ökologischen Anbau steckt noch sehr viel Potential, vor allem in Bezug auf resistente Sorten und Anbausysteme, was in Zukunft vermehrt auszuschöpfen ist. Zudem sollte man das große Potential, das der Tourismus für die Landwirtschaft in unserem Land hat, mehr zur Kenntnis nehmen.

Die volle Ausgabe der Südtiroler Straßenzeitung Zebra und alle Ausgaben von 2017 auf der Homepage der OEW unter >> www.oew.org/index.php/ausgaben-2017


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